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Modulares Bauen

Serielle Vorfertigung für mehr Effizienz in der Baubranche

Modulares Wohnbauteil am Schwerlastkran

September 2019   I   5 Minuten

 

Wir haben mit Jörg Bauer von der Firma Variahome über modulares Bauen gesprochen.

 

Kein Thema beschäftigt die Baubranche mehr als die Steigerung der Effizienz. Die Auftragsbücher sind voll, aber Unternehmen kommen mit dem Bauen kaum noch hinterher. Dabei werden dringend Gewerbeimmobilien, Bildungsbauten und Wohnungen benötigt.

Eine sprichwörtlich schnelle Lösung könnte hier die serielle Vorfertigung bieten, die in anderen Branchen schon lange Standard ist. Im Vergleich zum herkömmlichen Bauen bieten optimierte Prozesse im Modulbau wesentliche Vorteile, was Schnelligkeit und Flexibilität angeht. Aber reicht das aus, um eine städtebauliche Nachverdichtung zu meistern und unsere Städte für die Zukunft fit zu machen.

Wohnbaumodule Vorfertigung in der Montagehalle

Ansätze, wie eine frühzeitige und ganzheitliche Planung und das Arbeiten mit digitalen Prozessen gelten nicht nur im Modulbau. Und auch die Vorfertigung lässt sich zum Teil bei anderen Bauverfahren realisieren. 

 

 

Nachhaltig, effizient und flexibel

Modulbau aus Massivholz

Ursprünglich kommt Jörg Bauer aus der Kiesbranche. Aber bereits Ende der 90er Jahre hat er sich an einem Holzbauunternehmen beteiligt und vor knapp zehn Jahren zusätzlich eine Zimmerei erworben. Relativ schnell wurde der Betrieb auf industrielle Fertigung umgestellt. Heute baut seine Firma in Wangen im Allgäu Modulbauten im grossen Stil. Sein modulares Massivholzbaukonzept wird vor allem von Gewerbe- und Kommunalunternehmen angefragt. Etwa 20 Millionen Jahresumsatz erwirtschaftet der Mittelständler mit seinen knapp 70 Angestellten.

Jeder Handgriff sitzt

«Wir wollten von Anfang an ein modulares Bauwerk entwerfen, das den gleichen Anforderungen entspricht und die gleiche Haltbarkeit hat wie ein herkömmliches Gebäude.»

Jörg Bauer baut mit Massivholz. Seine Firma fertigt als einzige in Europa nachhaltig zertifizierte Gebäude, die zwischen 80 und 100 Jahre halten. Seine Modulbauten unterliegen einem Vorfertigungsgrad von 98 Prozent. Böden, Fenster und Wandbeläge sowie sämtliche Elektro- und Sanitärausstattungen werden bereits in der Halle montiert, sodass der Kunde am Ende ein fertiges Gebäude geliefert bekommt. Die Vorteile der seriellen Fertigung von Modulelementen liegen auf der Hand: «Wenn man heute ein Gebäude baut und dieses im Anschluss reproduziert, sinken die Produktionskosten was den Lohn betrifft, um ungefähr 30 Prozent», so der Unternehmer. Bauers Angestellte müssen keinen Bauplan lesen. Jeder Handgriff sitzt.

Bunte Modulbaufassade nach Fertigung

Die Modulbauten von Variahome sind nicht günstiger als herkömmliche Gebäude, weil hochwertige Materialien und Massivholz verwendet werden.

 

Der Modulbau ist überall dort geeignet, wo schnelles, präzises und kostensicheres Bauen gefordert ist. Bereits vom ersten Tag an wissen Bauers Kunden, wann das Gebäude geliefert wird und was es kostet. Keine Verzögerungen, kein Nacharbeiten, keine Kompromisse. Ein weiterer Vorteil: Die Gebäude können bereits während der langen Baugenehmigungsphase vorproduziert werden. Für ein durchschnittlich grosses Verwaltungsgebäude mit etwa 200 Quadratmeter Fläche braucht die Firma circa zwölf Arbeitstage.

Modulares Bauen und städtische Nachverdichtung – das passt nicht immer

In den Medien und in der Politik wird der Trend des modularen Bauens oft als alleiniger Problemlöser für die anhaltende Wohnungsnot gehandelt. Das kann der Modulbau allerdings nur bedingt leisten, wie Jörg Bauer erzählt. «Ich glaube nicht, dass die Aufstockung auf Bestandsgebäude die Wohnungsnot in Grossstädten lösen kann, die meisten Gebäude sind dafür gar nicht geeignet. Oft gibt es Probleme mit dem Brandschutz oder der Statik, die nicht darauf ausgelegt ist, weitere Stockwerke zu tragen», so Bauer. Seine Empfehlung: zuerst die vorhandenen Räume, wie zum Beispiel Dachböden, optimal nutzen.

Was die Aufstockung von Flachdachgebäuden wie Supermärkten angeht, ist der Modulbau allerdings durchaus eine Alternative. Hier kann man um das Gebäude herum eine zusätzliche Beton- oder Stahlkonstruktion errichten, auf die Module aufgesetzt werden. «Im Vergleich zu den Grundstückspreisen in der Stadt sind diese Kosten natürlich viel geringer», erklärt der Unternehmer. Nichtsdestotrotz muss weiteres Bauland in den Städten zur Verfügung gestellt werden. Dort lässt sich durch den Modulbau dann schnell und effizient in die Höhe bauen.

Jörg Bauer ist überzeugter Hilti Flottenkunde. Bei Variahome kommen etwa 100 Hilti Geräte und Werkzeuge zum Einsatz. Die Verwaltung und die Dokumentation steuert er über Hilti ON!Track. Ausserdem arbeitet das Unternehmen im Brand- und Schallschutz mit innovativen Hilti Lösungen.

 

Brandschutzmanschette im Holzbau
Anwendung mit Akkuschrauber im Holzbau
Akkuschrauber Anwendung an Trockenbauwand im Holzbau
Bildschnitt BIM/CAD Grafik

Digitalisierung – der Schlüssel zur Vorfertigung

Neben dem aktuellen Trend für mehr Nachhaltigkeit beschäftigt sich der Modulbau mit einem weiteren Prozess, der die Branche umtreibt: der Digitalisierung. In der seriellen Vorfertigung wird zwangsläufig mehr Zeit für die Planung verwendet als auf der Baustelle. BIM (Building Information Modelling) ist hierbei der Schlüssel für mehr Effizienz.

«Hier sind wir dem herkömmlichen Bauen weit voraus», meint Jörg Bauer. «Es gibt keine baubegleitende Planung. Wir planen unsere Gebäude bereits im Vorfeld so exakt, dass sämtliche Leitungsführungen automatisch vorgegeben sind. In einem Unternehmen wie dem von Jörg Bauer lassen sich digitale Planungsprozesse gut realisieren, da hier sämtliche Gewerke vom Heizungsmeister über den Elektromeister bis hin zum Architekten vereint sind – ein Vorteil gegenüber fragmentierten Grossbaustellen mit einzelnen Fachbereichen.»

Alter, neuer Baustoff Holz

Europaweit werden immer mehr Gebäude aus Holz gebaut. Für die serielle Vorfertigung ist der nachhaltige Rohstoff optimal geeignet, um individuelle Gebäudeteile herzustellen. Zwar lässt sich der Modulbau auch mit kostengünstigeren Materialien wie etwa Stahlprofilen realisieren, aber für Jörg Bauer kommt ausschliesslich Massivholz infrage. Seine Gebäude erfüllen sowohl den gesetzlichen Brand- als auch Schallschutz. Bauer schwört zudem auf das nachgewiesenermassen bessere Raumklima seiner Holzgebäude aus schnell nachwachsendem Fichtenholz. «Die grösste Herausforderung unserer Zeit ist mit Sicherheit der Klimawandel», so Bauer.

«Bauen mit Holz ist hier ein entscheidender Faktor.» Das sieht jedoch nicht jeder so, vor allem wenn es um das Thema Brandschutz geht. Auch im Holzmodulbau bestehen in der öffentlichen Wahrnehmung Vorurteile. Gerade im Geschossbau muss Bauer immer wieder Argumente dafür liefern, warum Holz bei einem Brand weniger gefährlich ist als Beton oder Mauerwerk. «Ein Totalschaden ist in einem Betongebäude wesentlich schneller erreicht, weil Stahl sich verformt und irgendwann bricht», so der Unternehmer. «Holz brennt wesentlich kontrollierter ab.»

 

 

Die Schwächen des Modulbaus

Gibt es überhaupt eine Schwachstelle in der mobilen Vorfertigung? Die gibt es. Allerdings liegt die eher in der Logistik. Die Strassenverkehrsordnung verhindert das Bauen von Raumhöhen über 3.20 Meter. Man ist also in Länge und Breite beschränkt. Aus diesem Grund werden auch keine vorgefertigten Sattel- und Pultdächer angeboten. Diese Aufgabe muss weiterhin auf der Baustelle erledigt werden.

Weniger wirtschaftlich wird der Modulbau nur dann, wenn während der Bauphase individuelle Änderungswünsche auftreten. Deshalb bietet Bauer eine individualisierte Grundrissgestaltung für den privaten Wohnungsbau nicht mehr an. «Wir brauchen wiederkehrende Prozesse, um wirtschaftlich zu sein», so Bauer. «Das heisst nicht, dass der Modulbau nicht auch individuell sein kann. Mit der Fassade und unseren Grundrissen bieten wir jede Menge individuellen Gestaltungsspielraum.»

 

Aussenansicht fertiger Modulbau
Innenansicht fertiger Modulbau mit Holztreppe
Aussenansicht fertiger Modulbau

Wie sieht die Zukunft der seriellen Vorfertigung aus?

Aussenansicht Fertigungshalle für Modulbau

Dass der Modulbau nicht 100 Prozent der künftigen Bauleistungen übernehmen kann, ist selbstverständlich. Auch Bauer ist davon überzeugt, dass modulares Bauen trotz des derzeitigen Zuwachses weiterhin nur für einen Teilbereich infrage kommt. Allerdings ist der Modulbau für den Unternehmer wesentlich zeitgemässer als herkömmliche Baumethoden. «Allein was die Geschwindigkeit angeht und aus ökologischen Gründen», so Bauer. «Energieeffizientes Bauen ist Pflicht. Auf der Baustelle kommt es täglich zu etlichen An- und Abfahrten.

Beim Modulbau liefert der Lastwagen nur einmal», erklärt er. Entwicklungspotenzial sieht der Unternehmer für sein Bauverfahren vor allem im Industrialisierungsgrad. Es wird noch immer sehr viel «traditionell handwerklich» gearbeitet. Aber schon bald soll, ähnlich wie in der Industrie, auch in Bauers Unternehmen Robotertechnik eingesetzt werden, um so noch effizienter arbeiten zu können.

Jörg Bauer Variohome Top Innovation 2019 Auszeichnung

Nachhaltigkeit steht bei Variahome ganz oben

Seit 2018 ist das Unternehmen aus dem Allgäu der einzige klimaneutrale Modulbauer in ganz Europa. Dazu hat Jörg Bauer den ökologischen Fussabdruck seiner Mitarbeiter und die Energiebilanz seiner Produktionsstätte bewerten lassen. Zudem legt er auch Wert auf die Ökobilanz der verwendeten Produkte wie Fussböden oder Sanitärgegenstände. Die gebauten Module sind zu 100 Prozent recyclingfähig.

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